Dienstag, 30. November 2010

Gaddafis ukrainische Krankenschwester: Die Tochter dementiert

Mir hat die Wikileaks-Geschichte mit Gaddafis vollbusiger ukrainischer Krankenschwester Galina (ab sofort schreibe ich den Vornamen so und nicht, wie es die Amerikaner von Wikileaks tun, mit y) Kolotnytska natürlich keine Ruhe gelassen. Den Kollegen von der ukrainischen Zeitung Segodnya offenbar auch nicht. Diese Helden des investigativen Journalismus haben nun in der Ukraine Frau Kolotnytskas 20 Jahre alte Tochter Tatiana gefunden. Die junge Frau ist entsetzt über die amerikanischen Diplomaten, die ihrer Mutter eine Affäre mit dem libyschen Revolutionsführer nachsagen: "Meine Mutter - eine Geliebte von Gaddafi? Was für ein Unsinn." Gerade hat die Tochter Galina Kolotnytska in Libyen im Urlaub besucht und dementiert nun aufs heftigste jedes erotische Verhältnis ihrer Mutter zu Gaddafi. Sie sei ganz einfach nur die Pflegerin des 68-jährigen. Tatiana Kolotnytska empfing die Journalisten in dem fünfstöckigen Plattenbau in der Stadt Browary, nicht weit von Kiew, wo sie zusammen mit ihrer Großmutter lebt (der Vater ist gestorben), ließ sie aber nicht in die Wohnung, sondern sprach nur im Treppenhaus mit ihnen.

Die echte Galina Kolotnytska
Nach Aussagen von Tatiana sei ihre Mutter vor neun Jahren nach Libyen gegangen. Vermittelt worden sei sie durch eine Agentur, die in der Ukraine medizinisches Personal fürs Ausland suchte: "Wir hatten damals finanzielle Probleme, und so entschloss sich meine Mutter zu gehen." Galyna Kolotnytska, die in Kasachstan ausgebildet wurde, habe dort zunächst in einem Krankenhaus als Oberschwester gearbeitet und sei dann in den persönlichen Dienst Gaddafis getreten. Die heute 39-Jährige sei aber nur eine von mehreren ukrainischen Krankenschwestern des Diktators: "Aus irgendeinem Grund traut er libyschen Schwestern nicht."

Die Arbeit sei hart. Oft erfahre ihre Mutter erst fünf mit Minuten vor dem Abflug, dass sie mit Gaddafi auf eine Reise gehen solle. Laut Tatiana schätze er ihre Mutter vor allem als medizinische Fachkraft: "Während seines Staatsbesuches kürzlich in der Ukraine dankte er meiner Großmutter dafür, dass sie solche eine hervorragende Krankenschwester zur Welt gebracht habe." Er schenkte ihr eine Uhr mit seinem Bildnis, was in Libyen als hohe Auszeichnung gelte. Obwohl Galina Kolotnytska in einer 4-Zimmer-Wohnung lebe und sie gut verdiene, sagt ihre Tochter, sie habe Heimweh und wolle sobald wie möglich wieder in die Ukraine zurück. Sie fände es sehr anstrengend, in der Wüstenhitze zu arbeiten (bekanntlich lebt der Beduinenspross Gaddafi ja die meiste Zeit in einem Zelt in der Wüste) und habe sich nie recht an die Sprache und Kultur des Landes gewöhnen können.

Segodnya hat offenbar das Familienalbum der Kolotnytskas komplett gekauft und zeigt eine ganze Bildergalerie mit Fotos von Galina. Das Gruppenfoto mit Gaddafi sieht übrigens für meinen Geschmack extrem gefotoshoppt aus. So als hätte der Chefredakteur irgendwann gesagt: "Ist ja alles schön und gut, aber wir brauchen auch noch ein Foto mit IHM!"

Nachtrag vom 28. Februar 2011:

Gaddafis „üppige“ Krankenschwester zurück in der Ukraine
– Frau versteckt sich in Wohnung der Mutter =

Browary, 28. Februar (AFP) – Libyens Machthaber Muammar el Gaddafi muss nun auch auf die Pflege durch seine bevorzugte Krankenschwester verzichten: Die von US-Diplomaten als „üppige“ blonde Frau beschriebene Galyna Kolotnyzka floh vor den Unruhen in dem nordafrikanischen Land in ihre ukrainische Heimat. Die Frau verschanzte sich am Montag in der Wohnung ihrer Mutter in einer Vorstadt von Kiew, wie ein Mitarbeiter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Kolotnyzka war am Sonntag gemeinsam mit anderen ukrainischen Staatsbürgern aus Libyen ausgeflogen worden.

Die Krankenschwester hatte vor neun Jahren einen Job in einem libyschen Krankenhaus angenommen, später sollte sie sich exklusiv um Gaddafis gesundheitliches Wohl kümmern. Die Frau war über die Enthüllungsplattform Wikileaks bekannt geworden, die aus Depeschen von US-Diplomaten zitiert hatte. Demnach ging Gaddafi, der derzeit trotz heftiger Proteste in seinem Land brutal an der Macht festhält, offenbar nie ohne Kolotnyzka auf Reisen.

Kolotnyzkas Tochter sagte am Montag vor Journalisten, ihre Mutter sei müde. „Lasst ihr etwas Zeit zum Erholen“, bat Tetjana Kolotnyzka. Die Mutter Irina Kolotnyzka sagte der ukrainischen Zeitung „Komsomolskaja Prawda“, dass die Krankenschwester nicht nach Libyen zurückkehren werde. Den Journalisten warf sie vor, ihre Tochter als „irgendeine Art von Liebhaberin Gaddafis“ dargestellt zu haben. „Geht zur Hölle“, rief sie dem Bericht zufolge den Reportern der „Komsomolskaja Prawda“ zu.

gw/jpf
`AFP 281255 FEB 11

1 Kommentar:

  1. Dieser Artikel ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Jedoch sehr gut geschrieben und ich stimme mit allem. Mein Kompliment an den Autor!

    AntwortenLöschen