Montag, 29. November 2010

Auf der Suche nach Gaddafis ukrainischer Krankenschwester

Angeblich die echte Galyna Kolotnytska
In einem Blog, das nach Michail Bulgakows Roman "Die Weiße Garde" heißt, liegt naturgemäß immer ein besonderer Schwerpunkt auf der Ukraine-Berichterstattung. Deshalb frage ich mich am Abend eines langen Tages, der ausschließlich von Wikileaks-Nachrichten bestimmt zu sein scheint: Kann es denn sein, dass der Schweizer "Blick" als einziges deutschsprachiges Medium etwas mehr über die "vollbusige ukrainische Krankenschwester" weiß, von der sich Libyens Revolutionsführer Muammar Gaddafi laut der US-Botschaft in Tripolis überall hin begleiten lässt? Was glauben diese Herren Journalisten eigentlich, wofür sich ihre Leser wirklich interessieren? Wenn Gaddafi ohne diese Frau, wie die US-Diplomaten schreiben, nirgendwo mehr hingeht, und sie sogar nach New York im Privatjet nachfliegen ließ, als sie einmal wegen Visumsschwierigkeiten nicht mit ihm zur Uno reisen konnte, dann sollte es doch mehr Fotos geben.

Irgendwer im Internet war da schon schneller und versucht nun mit der Tatsache, dass der Name der Dame seit gestern viel gegoogelt wird, etwas Geld zu verdienen. Unter der Adresse www.galynakolotnytska.info findet man neben dem Foto, das auch der "Blick" zeigt, noch ein weiteres Bild von der Facebook-Seite einer gewissen Galyna Kolotnytska, die ziemlich genau dem entspricht, was sich die Voyeure dieser Welt unter einer vollbusigen ukrainischen Krankenschwester vorstellen. Textlich bietet www.galynakolotnytska.info  nur den entsprechenden Wikileaks-Bericht und viele Anzeigen zu ukrainischen Prostituierten. Die russische Nachrichtenagentur RIA-Novosti hat versucht, zu recherchieren, wer sich hinter diesen Seiten verbirgt. Die  Journalisten fanden immerhin heraus, dass alle Pinwandeinträge auf der Facebook-Seite erst wenige Stunden alt waren und bezweifelten in ihrem Artikel von heute Nachmittag (wenn ich die wirre Google-"Übersetzung" richtig interpretiere), dass das Konto irgendwas mit Gaddafis Krankenschwester zu tun habe. Das dortige Profilfoto hat sich aber trotzdem rasend schnell übers gesamte Internet verbreitet.

Das ist sie wohl eher nicht
 Der älteste Artikel mit dem Foto, den ich gefunden habe, wurde heute Nacht kurz nach null Uhr von der konservativen britischen Satire-Blog Redrag-Online gepostet. Der Autor macht sich darüber lustig, dass dank dreier Wikileaks-Dokumente, die er dort wiedergegeben habe, zwar ganz viele Leute auf seinem Blog landen, aber dass diese Menschen keineswegs nach Enthüllungen über Gordon Brown gesucht haben. Sondern sie  hatten fast alle den Suchbegriff "voluptuous ukrainian nurse" eingegeben. Um ihnen eine Freude zu machen, präsentiere er nun  ein zufällig ausgewähltes Foto irgendeiner vollbusigen Ukrainerin.

Jedem, der etwas über das wirkliche Leben mehr oder weniger vollbusiger ukrainischer Krankenschwestern im Ausland erfahren will, lege ich übrigens Ulrich Seidls tollen Film "Import/Export" aus dem Jahre 2007 ans Herz.

Übrigens müsste Galyna/Galina eigentlich korrekt Kolotnytskaya  mit Nachnamen heißten. Die kyrillische Schreibweise wäre dann, laut RIA-Novosti, Галина Колоницкая.

Mir kommt übrigens der Begriff "vollbusige Ukrainerin" wie eine Tautologie vor. Wir haben eine Freundin, deren Mutter Ukrainerin ist, und die sich erinnert, dass Mama, als die Tochter in die Pubertät kam, von den anderen Frauen aus der ukrainisch-russischen Diaspora in einer ostdeutschen Großstadt immer gefragt wurde: "Und? Ist sie eine von uns?" Das meinte: "Kriegt sie einen richtigen Busen oder wird sie so eine flachbrüstige Deutsche?"

Seit ein paar Stunden gibt es übrigens auch noch dieses total nichtssagende schlecht-gemachte Youtube-Video zum Thema Galyna Kolotnytska. Wer er sich trotzdem anschaut, soll nicht sagen, ich hätte ihn nicht gewarnt:

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